Verbunden im Konsent – die Prinzipien der soziokratischen Kreisorganisation
11 Jun 2015

Verbunden im Konsent – die Prinzipien der soziokratischen Kreisorganisation

Soziokratie ist ein Begriff, der immer mal wieder fällt, wenn

11 Jun 2015

Soziokratie ist ein Begriff, der immer mal wieder fällt, wenn es um moderne Entscheidungsarchitekturen für Unternehmen geht. Wie genau sie funktioniert und wie sie aufgebaut ist, erläutert dieser Beitrag.

Die Soziokratie, auch Soziokratische Kreisorganisationsmethode SKM genannt, ist auf der einen Seite ein Organisationsmodell, das die Steuerung von dynamischen Unternehmensprozessen unterstützt. Sie kann als Erweiterung oder als Alternative zur pyramidenförmigen Linienorganisation und deren Top-Down-Entscheidungsprozessen verstanden werden. Sie ermöglicht jedem Mitglied einer Organisation, gleichwertig in Entscheidungsprozesse einbezogen zu werden. Die SKM kann jedoch auch nur als Moderationsmethode für Teamprozesse angewandt werden.

Die Geschichte der Soziokratie

Das SoziokratieModell wurde bereits 1945 als organisationales Lenkungssystem in den Niederlanden entwickelt, um die egalitären Prinzipen der Quäker auch für säkulare Organisationen nutzbar zu machen. Der holländische Ingenieur Gerard Endenburg adaptierte 1960 das Soziokratiemodell und erweiterte es um kybernetische Prinzipen der Steuerung und Kontrolle, um es erfolgreich in seiner Endenburg Elektrotechnikfirma anzuwenden. Mittlerweile ist daraus eine Soziokratiebewegung entstanden, die sich von Holland, Deutschland, Frankreich bis nach Amerika ausgedehnt hat.

Der Nutzen der SKM

Die Soziokratische Kreisorganisationsmethode beinhaltet vier Grundprinzipien, die als eigenständige Organisationsmerkmale oder als Erweiterung bestehender Linienorganisationen angewendet werden können. Die vier Grundprinzipien der Soziokratie sind:

  1. Der Konsent als vorherrschendes Prinzip zur Beschlussfassung (kein begründeter schwerwiegender Einwand)
  2. Eine Kreisstruktur überlagert die bestehende Linienstruktur. Die Kreise treffen innerhalb ihrer Grenzen ihre Grundsatzentscheidungen autonom (Kreisprinzip).
  3. Zwischen den Kreisen gibt es eine doppelte Verknüpfung, indem jeweils mindestens zwei Personen an Kreissitzungen teilnehmen: ein funktionaler Leiter (Manager) sowie mindestens ein Delegierter (Prinzip der doppelten Kopplung).
  4. Die Kreisteilnehmenden wählen Menschen im Konsent für Funktionen und Aufgaben aus (Soziokratische Wahl).

Durch diese vier Grundprinzipien entwickelt sich ein vertieftes Verantwortungsbewusstsein, welches das ganze System berücksichtigt. Durch die gezielte Einflussnahme aller Gruppenmitglieder, wird die Macht gleichermassen unter allen verteilt. Es gibt keine Gewinner und Verlierer. Die Entscheide haben eine hohe Akzeptanz und werden gemeinsam getragen. Da Argumente wichtiger werden als Macht, entsteht ein wertschätzender und unterstützender Teamgeist. Durch die Wahl von Kreisteilnehmenden entsteht eine hohe Motivation bei der Übernahme von Aufgaben und Projekten.

Das Konsentprinzip oder das Kein-Einwand-Prinzip

Soziokratie ist eine Zusammensetzung aus dem lateinischen „socius“ (Gefährte) und dem griechischen „kratein“ (regieren) und steht für eine Form der Führung, die von der Gleichwertigkeit der Individuen ausgeht. Das wichtigste Prinzip ist, dass nur dann ein Beschluss gefasst wird, wenn keiner der Anwesenden einen Einwand mit schwerwiegenden Argumenten hat. Dieses Prinzip nennt man „Konsentprinzip“ (Kein-Einwand-Prinzip). Feste Fragerunden sorgen dafür, dass sich jeder einbringt, und verankern Mitbestimmung in der Gruppe oder der Organisation als Ganzes.

Das führt dazu, dass Individuen mehr Entscheidungsbefugnis bekommen als in einer Demokratie, in der die Stimmenmehrheit gilt. Soziokratie ist die Macht des Arguments und nicht die Macht der Mehrheit. Nun hat jedoch nicht jede Entscheidung durch das Konsentprinzip zu erfolgen. In der Paxis hat sich bewährt, wichtige Grundsatzentscheide mit Hilfe des Konsentprinzips zu fällen und die operativen Entscheidungen des Tagesgeschäfts an die Ausführenden zu delegieren.

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